MISSIONS-BENEDIKTINERINNEN VON TUTZING

Biographien

Warum ich Missions-Benediktinerin geworden bin?
Schwestern antworten

Hier stellen wir Ihnen einige Lebensbilder unserer Schwestern vor:

Unsere Generalpriorinnen

   Sr. Reinolda May OSB - 1901-1981 - Südafrika
        
1. Unsere liebe Frau von Ngome
        
2. Wer war Sr. Reinolda May?
        
3. Geschichte der Erscheinungen
        
4. Ngome heute

Sr. Bernardine Hefele 1870-1957  - Tansania
Sr. Anna (Scholastika) Schemmer 1862-1941  Tansania
Sr. Dr. Thekla Stinnesbeck “Mama Thekla”- 1892-1962 - Ärztin in Tansania
Sr. Deodata Hofmann - 1889-1978 - Mutterhaus Tutzing
Sr. Camilla Braun - 1919-1982 - Peramiho
Sr. Germana Pieper, der “Engel von Tempe” - 1918 - Südafrika
Sr. Gertraud Gantert - Brasilien
Sr. Diemud Gerber - 1888-1984 - Pionierin in den USA
Sr. Hedwig Calleja-Espinas - Philippinen
Sr. Mercedes Scharpf - Korea-Tansania
Sr. Virgilia Mannhart - Peramiho - Tansania
Sr. Mildreda Feldhütter - 1875-1945 - Vikarin - Mutterhaus Tutzing

               Sterbeberichte verschiedener Schwestern
Sr. Caritas Hopfenzitz OSB - 1913-2005 - Korea
Sr. Mechtild Kuhl OSB - 10. April 1941-21. April 2005 - Angola
Sr. Armela Praeiro de Lima - 1932-2004 - Olinda-Brasilien
Sr. Odiliana Rohrwasser - 1909 – 2005 - Philippinen
Sr. Margarita Alovera 1913 - 2005 - Philippinen
Mutter Maria Lukas Rauch - 1906-2005 - Generalpriorin - Ärztin in Tansania
Sr. Bernita Walter - 1920-2005 - Rom - Autorin der Kongregationsgeschichte
Sr. Tetwigis Sailer - 1915-2005 - Ärztin in Tansania
Sr. Veronica Mordstein - 1913-2006 - Brasilien, Portugal, Rom
Sr. Ingild Schrallhamer - 1924-2006 - Mutterhaus Tutzing
Sr. Adeltrudis Wochner - 1902-2006 - Südafrika
Sr. Raphaelis Damm - 1906 - 2006 - Priorat Tutzing
Sr. Amada O. Halili - 1938-2006 - Philippinen
Sr. Liberata Egold - 1918-2006 - Priorat Tutzing
Sr. Ignatia Lordemann - 1910-2006 - Norfolk, USA
Sr. Josefina Leschenska - 1923-2006 - Bulgarien
Sr. Anella Salber -1920-2006 - Norfolk, USA
Sr. Carmem Asseff  - 1912-2006 - Sorocaba, Brasilien
Sr. Irene Roppertz - 1914 - 2007 - Ndanda, Tansania
Sr. Christana König - 1913 - 2007 - ROM, Tutzing
Sr. Hildemut Hemmerich - 1924 - 2007 - Ndanda, Tutzing
Sr. Scholastica Carillo - 1917-2007 - Australien
Sr. Gertrud Marie Wolfer - 1914-2008 - Norfolk, USA
Sr. Franziska Habermacher - 1920-2008 - Ettiswil, Schweiz
Sr. Firmina Srasser - 1911 - 2008 - Philippinen, Tutzing
Sr. Clare Esquivel - 1924 - 2008 - Philippinen
Sr. Leutbergis Geyer - 1912 - 2008 - Priorat Tutzing
Sr. Beata Gut - 1927 - 2008 - Priorat Tutzing


Sr. Reinolda May OSB – Eine Missions-Benediktinerin in Südafrika


1. Unsere Liebe Frau von Ngome

(Aus: The Benedictines of Inkamana – Fr. Godfrey Sieber OSB – 1994)

Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde die Gegend um Ngome, etwa 30 km von Nongoma entfernt, für gewerblichen Landbau bestimmt. Das Ergebnis war, daß weiße Farmer das Land kauften und es hauptsächlich für Viehwirtschaft und zur Herstellung von Bau- und Nutzholz gebrauchten. Schwarze Familien durften auf diesen Farmen als Pächter wohnen, die die weißen Farmer überreich mit Arbeitskräften versorgten. Missionsarbeit konnte unter diesen schwarzen Familien nur mit Erlaubnis des weißen Farmers getan werden, auf dessen Besitz sie lebten.

Nachdem die Benediktiner 1926 in Nongoma eine Missionsstation eröffneten, gründeten sie auch eine Reihe von Außenstationen in diesem Distrikt, um neu Christen zu gewinnen und sie den Gemeinden hinzuzufügen. 1944 kauften sie eine Farm von 338 Hektar in Ngome, die eine finanzielle Hilfe sein sollte für die Missionsstation in Nongoma mit ihrer Schule und ihrem Krankenhaus.

Die Farm, Langewacht genannt, gehörte zum Vryheid Distrikt, hatte aber eine gemeinsame Grenze mit dem Zulu Reservat, wo die Weißen kein Farmland kaufen konnten. Die Benediktiner, die ihren neuen Besitz zu Ngome einfach "Ngome Farm" nannten, gebrauchten ihr Land hauptsächlich für Viehwirtschaft. Später 1976 wurde das Land verpachtet.

Eine kleine Schule wurde gebaut. Sie war bekannt als Mayime School. Eines der Klassenzimmer wurde als Kapelle benutzt, wo die Katholiken Sonntag zusammenkamen um die heilige Messe zu feiern oder an einem Gottesdienst geleitet durch einen Katechisten teilzunehmen.

Die Zahl der Katholiken zu Ngome nahm ständig zu bis 1970, als eine neu Regierungspolitik Druck  auf die Farmer ausübte, die Zahl ihrer schwarzen Arbeitskräfte zu reduzieren und den so genannten Überfluß in das Zulureservat zurück zu schicken. Dies brachte eine starke Reduzierung der Zahl der Schwarzen, die auf den Farmen der Weißen wohnten. Um 1978 war die Zahl der Katholiken bis unter die Hälfte zurückgegangen. Ngome blieb eine winzige Außenstation, ganz unbedeutend, was die Zahl der Katholiken betraf. 1970 waren es ungefähr 120, 1985 achtzig, und 1993 nur zweiundvierzig.

Die Zukunft für Ngome hätte düster ausgesehen, wäre es nicht um eine andere Entwicklung gegangen, die ganz plötzlich die Aufmerksamkeit der Katholiken im Zululand und weit über seine Grenzen hinaus auf sich zog.

Der Umschwung kam 1981, kurz nach dem Tod von Schwester Reinolda May OSB, die von 1938 bis 1980 als Missions-Benediktinerin in Nongoma gearbeitet hatte und angeblich während dieser Zeit einige Erscheinungen der  Mutter Gottes hatte.


2. Wer war Schwester Reinolda May?

Sr Reinolda May wurde am 21. Oktober 1901 zu Pfahlheim, einem kleinen Dorf in der Diözese Rottenburg, im südwestlichen Teil Deutschlands, geboren. Am Tage darauf wurde sie getauft und erhielt den Namen Franziska. Ihr Vater hatte ein kleines Landgut und war Küfer. Er hatte mit seiner Frau zehn Kinder, von welchen zwei klein starben. Franziska war die Jüngste. Nachdem sie ihre Hauptschule abgeschlossen hatte, ging sie in ein Mädcheninternat in Hochaltingen, wo Franziskanerinnen sie in Hauswirtschaft unterrichteten.
Das Dorf Pfahlheim hatte damals einen sehr aktiven Priester. Er machte alle Anstrengungen,  seine Pfarrangehörige in die eine oder andere katholische Sodalität einzuführen. Jung und alt, verheiratet oder nicht, Männer und Frauen, alle ermutigte er ihren Glauben auszuüben und ihre Pflichten der Kirche gegenüber gewissenhaft einzuhalten. Jede Gruppe hatte einen besonderen Sonntag, an dem die Mitglieder geschlossen zum Altar gingen um die heilige Kommunion zu empfangen. Die eucharistische Andacht, besonders in der Form der Aussetzung des Allerheiligsten, und die Andacht zu unserer Lieben Frau bildeten die hervorragenden Aspekte der kirchlichen Übungen im Dorf. Das jährliche Fest des Schutzpatrons jeder Sodalität wurde mit besonderer Feierlichkeit begangen. Die Teilnahme am heiligen Meßopfer war der Höhepunkt des Tages.

Es ist nicht überraschend, daß eine solche Umgebung eine große Zahl geistlicher Berufe hervorrief. Obwohl  am Anfang des 20. Jahrhundert nur ungefähr tausend Katholiken in Pfahlheim wohnten, waren es doch etwa drei Dutzend Mädchen, die ins Kloster eintraten, während Eugen Adis Pfarrer war. Eine von ihnen war Franziska May.

Weil Franziska großes Interesse für die Mission zeigte, riet ihr Pfarrer Adis, sich den Missions- Benediktinerinnen von Tutzing anzuschließen. Ihr erster Versuch, dort einzutreten, schlug fehl. Es wurde ihr gesagt, sie wäre nicht gesund genug, um in die Mission zu gehen.

Weil ihr die Aufnahme in den Orden der Missions-Benediktinerinnen verweigert wurde, war sie gezwungen wieder in ihre Heimat in Pfahlheim zurückzukehren. Die Leute dort erinnerten sich noch, daß sie dann oft während des Tages beim Gebet in der Pfarrkirche gesehen wurde. Das muß den Dörflern als etwas ganz Ungewohntes aufgefallen sein, sonst hätten sie wohl keine Notiz davon genommen. Franziskas Vater war überhaupt nicht traurig wegen dieses Ausgangs. Er wollte lieber, daß seine jüngste Tochter daheim bliebe. Aber Franziskas Ideen waren fest fixiert darauf, Missionsschwester zu werden. So reiste sie noch einmal nach Tutzing, und diesmal wurde sie aufgenommen.

Am 1. März 1922 trat sie bei den Missions-Benediktinerinnen von Tutzing ein. Ihre erste Profeß legte sie am 10. Februar 1925 ab.

Einige Monate später erhielt sie das Missionskreuz für Südafrika, wohin sie am 25. Juni abreiste. Dort legte sie am 12. Februar 1928 ihre ewigen Gelübde ab. Die ersten zehn Jahre arbeitete sie als Näherin auf der Emoyeni Mission, in Mbongolwane und auch einige Zeit in Inkamana. Die Landessprache Zulu lernte sie mit großer Entschiedenheit und ebenso großer Begeisterung und benützte jede Gelegenheit, die Afrikaner in diesen Gegenden zu besuchen, zu Pferd oder zu Fuß.

Nachdem Rom den Tutziger Missionsschwestern erlaubt hatte, Frauen bei der Geburt eines Kindes beizustehen, wurde sie die erste Schwester im Zululand, die einen Hebammenkurs machte. Im Mai 1938 erhielt sie ein Diplom als Hebamme von einem staatlichen Krankenhaus in Pietermaritzburg.
Als das "Benedictine Hospital" im Juni 1938 eröffnet wurde, wies man Schwester Reinolda die Entbindungsstation zu.
Es war ein schwerer Anfang. Das Krankenhaus hatte nur die geringsten Möglichkeiten. Viele Zulus waren skeptisch und wollten ihre Frauen nicht ins Krankenhaus zur Entbindung bringen. Zu alledem war der Arzt des Bezirks gegen das neue Krankenhaus, weil er fürchtete, dass er dadurch Patienten verlieren könnte.

Schwester Reinolda litt sehr unter diesen Umständen, aber zeigte große geistige und seelische Kraft und hat nie Entmutigung oder Verzweiflung nachgegeben. Wie immer bekam sie ihre Kraft durch das Gebet. In Augenblicken von Krisen verbrachte sie lange Stunden im Gebet, vielfach in der Nacht.

Schwester Reinolda war eine sehr entschlossene Person. Wenn sie sich einmal auf eine Aufgabe festlegte oder wenn ihr eine zugewiesen wurde, würde sie sich mit aller Kraft darauf verlegen, um das Beste zu erzielen. Als sie gebeten wurde einen Hebammenkurs einzuführen, schien sie eine unwahrscheinliche Kandidatin für diese Aufgabe zu sein. Sie hatte keine höhere Schulbildung, war bereits in den mittleren dreißig Jahren, hatte nur im Nähzimmer gearbeitet und ihre Kenntnisse der englischen Sprache waren ziemlich spärlich Aber sie arbeitete schwer und erzielte gute Resultate.

Sie war sehr selbstdiszipliniert und ausgeglichen, hatte keine Panik in Momenten der Krise und blieb immer ruhig und gelassen. Leute, die sie gut kannten, machten oft die Bemerkung, "Sie hat beide Füße fest auf dem Boden!" Sie war keine passive Person, die einfach auf Anweisungen wartete, im Gegenteil, sie war fähig,  selbst die Initiative zu ergreifen. Sie zeigte auch ein bemerkenswertes Talent, mit Problemen umzugehen und erwies sich als erfinderisch im Suchen von Lösungen. Ihre schöpferischen und erfinderischen Fähigkeiten mögen wohl beigetragen haben zur Entwicklung ihres geistlichen Lebens, besonders in der Gestaltung ihrer Gebete.

Schwester Reinolda blieb 39 Jahre in der Leitung der Entbindungsstation des Benedictine Hospitals, bis Juni 1976, als die Regierung das Krankenhaus übernahm. Über 28 000 Geburten wurden während dieser Zeit registriert. Ihre berufliche Kompetenz und ihr enormes Wissen in Sachen der Pflege gewannen ihr den Respekt und die Bewunderung aller Ärzte, die mit ihr zusammen arbeiteten. Mehr als einmal machten sie die Bemerkung, dass es beruhigend war, sie in kritischen Situationen im Entbindungsraum zu haben. Schwester Reinolda war aber eine ebenso bescheidene Person, die sich selber nie wegen ihrer Leistungen ins Rampenlicht stellte.

Über die Jahre wurde Schwester Reinolda eine der bekanntesten Missionarinnen in dieser Gegend. Die Zulus, die einer Person oft einen Namen geben, der seine besonderen Manieren oder körperliche Eigenschaften bezeichnet, nannten sie "Mashiyane" wegen ihrer buschigen Augenbrauen.

Es war nicht nur ihr Ruf als Hebamme, der sie populär machte im ganzen Distrikt von Nongoma, sondern auch ihr ehrliches Interesse an der Wohlfahrt der Menschen. Sie war sanft, freundlich, teilnahmsvoll besonders mit Menschen unserer Gesellschaft, die gerne übersehen werden: die Kinder, die Behinderten, die Kranken und die, die im Leben hart und rau behandelt werden.

All dies machte es jenen möglich sich ihr zu nähern und ihr ihre Herzen zu öffnen. Für viele Patienten, die ins Benedictine Hospital kamen, war Schwester Mashiyane nicht nur eine kompetente Krankenschwester, sondern ebenso eine verstehende und sorgende Mutter. Sie konnte sich selbst nach Jahren noch der Namen der Patienten erinnern, nachdem sie im Krankenhaus waren, und sie erkundigte sich oft nach ihrem Befinden und der Hilfe, die sie vielleicht brauchten.

In Schwester Reinolda steckte ein außergewöhnlicher Missionseifer. Sie fühlte sich gedrängt, die Zulus in ihren Heimen zu besuchen, nach den Kranken und Alten zu schauen, die nicht in die Kirche kommen konnten, Katechumenen zu unterrichten und Kinder und Erwachsene auf die Sakramente vorzubereiten. Sie machte die Runden zu Fuß oder zu Pferd und oft begleitete sie einen Priester auf die Außenstationen. Sie war ein Instrument für viele, damit sie den Weg zur Kirche finden konnten und bemühte sich besonders, laue Katholiken wieder zur Kirche zurückzubringen. Als Krankenschwester und Missionarin war es verständlich, dass sie viele Nottaufen vollzog, besonders bei neugeborenen Kindern, wenn sie glaubte, diese würden ohne Taufe sterben. Es muss jedoch festgestellt werden, dass dies manchmal Probleme hervorrief, wenn die Kinder überlebten und nicht in einer christlichen Familie aufwuchsen.

Sich selbst ganz in den Dienst anderer zu stellen war die Art und Weise, wie sie ihren missionarischen Beruf verstand. Nichts war zuviel für sie, wenn sie andern helfen konnte. Wenn sie Nahrung oder Kleider verteilte, hatte sie immer ein ehrliches Interesse an der Not jeder Person, die zu ihr zum Betteln kam. Sie verbrachte oft Stunden an Krankenbetten von Patienten, die schwer erkrankt waren. Es ist bemerkenswert, dass sie in  den fünfzig Jahren, die sie im Zululand arbeitete, nie einen Heimaturlaub nahm, und sich auch kaum je ein paar Tage Ruhe gönnte von ihrer Arbeit. Eine Missionarin zu sein war für sie eine tief greifende Verpflichtung, die keinen Kompromiß erlaubte.

Im Juni 1976, im Alter von vierundsiebzig Jahren, trat Schwester Reinolda in den Ruhestand und zog sich zurück von ihrer Geburtenstation. Sie zog in den St. Albans Konvent, ungefähr einen Kilometer vom Krankenhaus entfernt.. Aber selbst von dort ging sie jeden Tag ins Krankenhaus, um die Kranken zu besuchen und bei den Sterbenden zu sein. Sie hatte eine einzigartige Gabe, Menschen zu trösten, die an der Schwelle des Todes standen und sie vorzubereiten auf den letzten Weg. Durch ihre Initiative wurden viele mit der Kirche versöhnt oder empfingen die Taufe, bevor sie starben.

Im Juni 1980 wurde es augenfällig, dass sie selbst zum Sterben kam. Die Diagnose: Krebs im Dickdarm. Im August 1980 kam sie in die Infirmerie des Klosters Inkamana. Es war schwer für Schwester Reinolda, die ihr ganzes Leben so aktiv war, nicht mehr aufstehen und ihre täglichen Runden nicht mehr machen zu können. Es verursachte bei ihr große seelische Schmerzen, die sie tiefer zu empfinden empfand als die körperlichen Schmerzen. Sie starb am 1. April 1981. Eine ungewöhnliche Zahl von Trauergästen nahm teil am Requiem und am Begräbnis in Inkamana am 6. April. Unter den Trauernden war auch ein Repräsentant des Zulu Königs Goodwill Zwelethini (Zulu Brauch verbietet es dem König selbst bei einem Begräbnis anwesend zu sein). Seine Gegenwart bestätigte die freundlichen Verbindungen, die Schwester Reinolda mit der königlichen Familie pflegte. Mit dem Tod von Schwester Reinolda verlor die katholische Kirche von Zululand eine sehr beliebte und hingebende Missionarin.

Bald nach ihrem Tod war es weit verbreitet, dass Schwester Reinolda angeblich Erscheinungen unserer Lieben Frau erfuhr. Auf Grund ihrer eigenen Notizen und der bezüglichen Dokumente im Diözesan Archiv trat das im folgenden beschriebene Bild hervor.


3. Geschichte der Erscheinungen

Schwester Reinolda erlebte die erste außergewöhnliche Erscheinung am 8. Dezember 1954 am Schluss der Aussetzung des Allerheiligsten.
"Ich sah zwei Figuren am Tisch, wo alles schon hergerichtet war für die heilige Messe. Am Ende des Tisches war eine Frau in weißem Gewand mit einem langen weißen Schleier. In ihrer rechten Hand war etwas Zugedecktes. Es könnte ein Schild gewesen sein. Ihr gegenüber war ein Mönch, gekleidet in schwarz, mit erhobenen Händen, wie bei der Wandlung, etwas in der Hand haltend wie ein Opfer. Dann stieg etwas himmelwärts wie Weihrauch. Die Figuren verschwanden, als der Priester sein Mess¬gewand anzog. Ich konnte keinen Sinn hinter all dem begreifen, ich konnte aber auch nicht vergessen, was ich gesehen. Nicht lange danach, während der heiligen Kommunion, wurde es mir klar, als ob jemand mir sagte: es ist eine verschleierte Monstranz".
Acht Monate nach diesem unerklärlichen Begebnis, erlebte Schwester Reinolda etwas wie eine Vision der Gottesmutter. Mehrere sollten folgen. Sie selber erwähnt diese angeblichen Visionen als "Begegnungen".

Die erste Begegnung zwischen Schwester Reinolda und unsere Lieben Frau fand statt während der heiligen Messe in der Schwesternkapelle zu Nongoma am 22. August 1955. Es geschah sofort, nachdem Schwester Reinolda die heilige Kommunion empfangen hatte. Unsere Liebe Frau offenbarte sich Schwester Reinolda als "Tabernakel des Allerhöchsten" und äußerte den Wunsch unter diesem Titel verehrt zu werden. Sie hob besonders hervor, dass mehr Menschen sich bemühen sollten, Tabernakel des Allerhöchsten zu werden. Sie befahl der Schwester, es auch ihrem Priester und anderen zu offenbaren.
Die zweite Begegnung am 20. Oktober 1955 und die dritte am 22. Oktober 1955 hatten für Schwester  Reinolda eine ähnliche Botschaft, aber zudem drängte unsere Liebe Frau, es allen mitzuteilen.
Bei der vierten Begegnung am 15. März, 1956 , zeigte unsere Liebe Frau in eine nordwestliche Richtung (Ngome liegt nordwestlich von Nongoma) und angeblich bat sie Schwester Reinolda, dass "ein Heiligtum für sie errichtet werde, dort, wo sieben Quellen sich treffen". Gnaden würden reichlich fließen an diesem Ort, und viele würden sich bekehren und zu Gott zurückkehren.

Es gab noch weitere Begegnungen zwischen Schwester Reinolda und unserer Lieben Frau am 5. Juni 1956, am 15. März 1957 und am 24. Mai 1957.
Am 8. Dezember 1957, nachdem sie eine kranke Person in Ngome besuchte, gewann Schwester Reinolda die Gewissheit, dass Ngome der Platz war, wo das begehrte Heiligtum errichtet werden sollte. Nachdem sie sich mit Pater Ignaz Jutz, der Pfarrer von Ngome war, besprochen hatte, wurde in dem Wald unterhalb der Ngome Schule eine große Zahl von Quellen entdeckt.
Die achte Begegnung zwischen Schwester Reinolda und Maria fand statt am 17. April l958. Die Schwester empfand, dass man ein Bild von Maria, dem Tabernakel des Allerhöchsten benötigte.
Mit der Zustimmung des Bischofs Aurelian Bilgeri von Eshowe und der Unterstützung des Erzabtes Suso Brechter von St Ottilien, malte ein Münchner Künstler, Josef Aman, das Bild nach den Richtlinien und Anweisungen, die ihm Schwester Reinolda gab. Dieses Bild wurde nach Ngome gebracht am 1. Mai 1963.
Auf Drängen von Pater Ignaz Jutz, erlaubte Bischof Bilgeri Bruder Jakob Riedmann in Ngome eine kleine Kapelle zu errichten. Pater Ignaz Jutz weihte die Kapelle am Pfingstfest, dem 29. Mai 1966 ein. Das Bild von Maria "Tabernakel des Allerhöchsten", das vorerst in der Kirche von Nongoma war und dann in der Schule von Ngome, fand nun einen dauernden Platz in der kleinen Kapelle.

Die erste Wallfahrt nach Ngome fand statt am 15. März 1966. Die Leute, die daran teilnahmen, waren hauptsächlich von Nongoma. Nachher erlaubte Bischof Bilgeri keine Wallfahrten mehr nach Ngome.

Schwester Reinolda schrieb über ihre neunte Begegnung mit Maria in ihr Tagebuch: "Es war Nacht am 28. März 1970. In der vorhergehenden Nacht hatte ich eine schreckliche Erscheinung des Teufels. Ich wurde  aufgeweckt vom Sch1af. Es war alles Licht. Wer stand an meiner Seite? Maria, der Tabernakel des Allerhöchsten. Sie nahm mich in ihre Arme und tröstete mich und sagte: "Ich weiß um deine Not. Ich bin dir zur Seite. Ich verlasse dich nicht. Ich führe meine Sache zum Sieg. " Ehe sie mich verließ, sagte sie: "Schau zur andern Seite." Dort stand der Erzengel Michael im Panzer und die Lanze in den Händen. An seiner Rechten stand ein Cherubim, ganz in Weiß mit Händen über der Brust gekreuzt. Nach ein bis zwei Minuten verschwanden sie. Und alles Licht war weg. Welch ein Trost für mich!“

Die zehnte und letzte Begegnung fand augenscheinlich am Sonntag den 2. Mai 1971 statt in der kleinen Kapelle von Ngome. „Nach der heiligen Messe ging ich zurück mit ein paar Frauen, um mit ihnen vor dem Bild des Tabernakel des Allerhöchsten zu beten. Plötzlich merkte ich, dass Maria ganz lebend war. Sie trat etwas hervor und war ungemein schön. In der Überraschung rief ich aus: ‚Seht, Maria!’ Ich war überzeugt, dass die Frauen auch Maria gesehen hatten. Ich war überwältigt und ging schweigend weg.“

4. Ngome heute

Nach langer Prüfung durch die Diözese wurde die Verehrung Mariens unter dem Titel "Tabernakel des Allerhöchsten" in Ngome zugelassen.
 
Am 13. November 1990 veröffentlichte Pater Michael einen Rundbrief in welchem er schrieb:

"Der Marianische Schrein zu Ngome ist ein Zeichen der Gegenwart unserer Lieben Frau im Leben der lokalen Kirche. Die Andacht zu unserer Lieben Frau von Ngome wird eine Gelegenheit sein zu arbeiten und zu beten um Frieden in unserm Land.“



Sr. Caritas Hopfenzitz, OSB

2. November 1913 – 24. Januar 2005


„Kostet und seht wie gut der Herr ist!“ schrieb Sr. Caritas auf das Gedenkbildchen zu ihrem 60. Profeßjubiläum. In den 91 Jahren ihres Lebens konnte Sr. Caritas kosten, wie gut der Herr ist und sie hat ihr ganzes Leben daran gesetzt, Gott zu danken und zu loben und auch andere diese Güte des Herrn sehen und kosten zu lassen. In Oksadok und auf dem Todesmarsch ging Sr. Caritas mit Schadrach, Meschach und Abed Nego in den weißglühenden Feuerofen und sah den Engel des Herrn neben ihr gehen. Jeden Tag sang Sr. Caritas: „Gepriesen seist Du, o Herr, und lobwürdig in Ewigkeit ...“ (Daniel 3: 3-14).

Leben ist heilig! Sr. Caritas lebte ihr heiliges Leben voll und ganz. In der Todesanzeige von Sr. Caritas steht das Wort Jesu: „Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters und nehmt das Reich in Besitz, das euch von Anfang an bereitet ist“ (Mt. 25.34). Die Liebe und der Charme, die Sr. Caritas allen entgegenbrachte, sogar dem Wächter im Arbeitslager in Oksadok, mag auch den Pförtner am Himmelstor erfreut haben.

Leben ist heilig, und es ist unmöglich, das in Worte zu fassen, besonders das Leben unserer lieben Sr. Caritas. Sr. Caritas war die Dienerin und die Königin des Schweigens, der Schweigenden Menschen, des Dorfes des Schweigens, der Schweigenden Handwerker -  Eigentlich wäre Schweigen der einzige passende Tribut für unsere liebe Sr. Caritas Hopfenzitz, OSB.

Sr. Caritas wurde am 2. November 1913 in Öttingen-Nittingen in Deutschland geboren. Ihre Eltern waren Sebastian und Maria Hopfenzitz. In der Taufe erhielt sie den Namen Maria Luise. Sie hatte drei ältere Brüder und zwei jüngere Schwestern, viel später geboren, da der Vater im Ersten Weltkrieg war. Maria Luise war noch ein Säugling, als ihr Vater in den Krieg eingezogen wurde; sechs Jahre litt er in der Kriegsgefangenschaft. Als ihr Vater heimkehrte, erkannte sie ihn nicht. Ihre beiden Brüder wurden im Zweiten Weltkrieg eingezogen, waren vermisst und kehrten nie mehr heim. Bald darauf erhielt die Mutter die Nachricht, daß Sr. Caritas und ihre Mitmissionarinnen vermisst waren. Mehr als vier Jahre hörte die Mutter nichts von Sr. Caritas, und ohne Nachricht starb sie im Juni 1953. Die Eltern vieler Missionare müssen auch grosse Opfer für Gott bringen.

Marie Luise war ein lebhaftes, einfallsreiches, liebenswertes Kind. Manchmal sagte die Mutter zu den Angehörigen, daß Maria Luise gerade so wie ihre Brüder war, aber die Großmutter meinte, das sei kein Problem, und sie würde im Leben große Werke tun. Maria Luise besuchte die Oberschule in ihrer Heimatstadt und begann dann das Studium der Chemie an der Universität in München. Doch in ihrem zweiten Studienjahr trat sie, am 1. September 1937, bei den Missionsbenediktinerinnen in Tutzing ein.

Schon 1938 wurde Maria Luise als Postulantin nach Korea ausgesandt und kam am 21. Juni 1938 in Wonsan an. Sie begann ihr Noviziat am 6. Januar 1939 und erhielt den Ordensnamen Sr. Caritas. Am 10. Januar 1940 machte sie ihre Erste Profeß, und die Ewige Profeß am 15. Januar 1944. So pflegte Sr. Caritas jedem stolz, glücklich und dankbar zu sagen: „Ich bin eine Missionsbenediktinerin ‚made in Korea’“.

Nach ihrer ersten Profeß diente Sr. Caritas als Sakristanin im Prioratshaus und als Katechetin in der nahen Pfarrei. In dieser Zeit wurde sie auch beauftragt, die Taubstummen in der Pfarrei zu unterrichten. So begann sie, die Zeichensprache zu lernen, um den Taubstummen den Katechismus zu lehren. Das war der Anfang ihrer lebenslangen Mission mit den Taubstummen.

Im Mai 1949 wurde das Prioratshaus in Wonsan und seine abhängigen Häuseer beschlagnahmt, die koreanischen Schwestern zerstreut und die ausländischen Schwestern ins Gefängnis gebracht. Nach drei Monaten in Pyongyang wurden die 39 Missionsbenediktiner und 20 Missionsbenediktinerinnen nach Oksadok versandt, einem harten Arbeitslager in den Bergen nahe Zagangdo, Kangkye. In Oksadok und während des Todesmarsches von 1951 starben 15 Mönche (10 Brüder und 5 Priester) und zwei Schwestern. Das Internationale Kriegsgefangenen-Austauschabkommen gestattete den restlichen 24 Mönchen und 18 Schwestern die Rückkehr in die Heimat. Unsere Schwestern kamen am 24. Januar 1954 in Tutzing an.

1955 kehrte Sr. Caritas als Erste nach Korea zurück, von wo die Nachricht kam, daß unsere koreanischen Schwestern, die aus dem Norden geflohen waren, sich im Süden niedergelassen hatten. Sr. Caritas kam am 29. November 1955 in Pusan an und wurde in Daegu mit den koreanischen Schwestern vereint. Sehr bald wurde Sr. Caritas zum Katechismusunterricht in der Pfarrei in Seoul gesandt. Am ersten Sonntag Morgen in der Pfarrei traf Sr. Caritas das taubstumme Ehepaar, das sie vor langer Zeit in Wonsan getauft hatte. Für Sr. Caritas war das wie ein Wunder, das ihr Gottes Willen kundtat.

Die Nachricht, daß Sr. Caritas in Seoul war, breitete sich wie ein Lauffeuer durch das Netzwerk der schweigenden Gemeinde der taubstummen Flüchtlinge vom Norden aus. Die Flüchtlinge und andere Taubstumme von nah und fern strömten zu Sr. Caritas. Die Kolumbaner Patres in der Donamdong Pfarrei machten voll mit, und so kamen die Taubstummen zur Katechese, zur hl. Messe und für Begegnungen und gegenseitiger Unterstützung in ihrer Glaubensgemeinschaft in der Donamdong Pfarrei zusammen.

In dieser Zeit diente Sr. Caritas als „Vermittlerin“ in den Beichtstühlen. Sr. Caritas hörte und übersetzte die Beichte der Taubstummen für die Priester! Sie hörte die Ermahnungen des Priesters und übersetzte sie für die Beichtenden. So waren Sr. Caritas und die Taubstummen in Liebe und Glauben vereint.

Die Kolonialpolitik während der japanischen Besatzung, der Zweite Weltkrieg, die darauffolgende Teilung des Landes und der koreanische Krieg ruinierte Korea. Die Flüchtlinge des koeanischen Krieges aus dem Norden litten und die Behinderten litten mehr. Die meisten taubstummen Flüchtlinge in dieser Zeit lebten in grossem Elend. Sr. Caritas tat, was sie konnte, um ihren Taubstummen zu helfen.

Seit den frühen sechziger Jahren, durch die Hilfe der deutschen Botschaft in Korea, MISEREOR und dem Missionswerk der Kinder, der in Korea stationierten amerikanischen Armee, der US Katholischen Sozialhilfe (Catholic Relief Services), der Missionsbenediktiner/innen von Norfolk und Schuyler in USA und anderen Orten, und vieler anderer Organisationen und Wohltätern, kaufte Sr. Caritas Land, um Häuser zu bauen, Reis und andere Pflanzen anzubauen, Haustiere zu erwerben – und so enstand das „Schweigende Dorf“. Darauf folgten andere Projekte, die Einkommen und Arbeitsmöglichkeiten brachten. Eine Nudelfabrik entstand. Die Nähfabrik wurde eingerichtet zur Herstellung von Barbie-Puppenkleidern, Stofftieren und anderem Spielzeug, geschickt und farbenfreudig entworfen, für einheimischen, aber mehr noch für internationalen Verkauf. So begannen die Taubstummen durch die Arbeit ihrer eigenen Hände sich ihren Lebensunteerhalt zu verdienen und ihre gemeinsamen Träume zu verwirklichen. 1974 nahm der Traum, die taubstummen Kinder sprechen zu lehren, konkrete Formen an, und 1976 wurde die Schule „Liebe zum Sprechen“ offiziell als Erziehungsinstitut errichtet.

1986 half der „Korean Broadcasting Service“ Sr. Caritas, ihren letzten Traum bekannt zu machen. Eine Frau, die auf dem Lande wohnte und die Sendung sah, bot ein großes Stück Land für das „St. Joseph Heim“ für ältere Taubstumme an, das erste Altersheim für Taubstumme im Land. Sr. Caritas lebte in diesem Heim mit ihren alten Freunden, den betagten Taubstummen.

Als die Gemeinschaft der Missionsbenediktinerinnen in Korea wegen ihrer Größe in zwei Priorate, Seoul und Daegu, aufgeteilt wurde, gehörte Sr. Caritas automatisch zum Priorat Seoul. Als sie 85 Jahre alt wurde, übergab Sr. Caritas alle ihre Werke den Schwestern des Priorates Seoul und zog sich ins Priorat Daegu zurück.

In den Jahren, in denen Sr. Caritas sich ganz den Taubstummen widmete, lebte sie meistens in kleinen Kommunitäten. Jetzt, im großen Prioratshaus, schätzte sie die Grundelemente des monastischen Lebens und andere Übungen, wie den Gregorianischen Choral, das feierliche Hochamt, das Göttliche Offizium im großen Chor, Stille, „Zurückgezogenheit von der ‚Welt’“, kontemplatives Gebet, geistlichen Austausch, gemeinschaftliche Freizeit, kleine Gartenarbeiten, Anbau von Kräutern und Blumen, Einfachheit und Genügsamkeit, usw. – die Ideale, die sie suchte, als sie in Tutzing eintrat.

Immer strahlend, lächelte Sr. Caritas und sprach natürlich mit Mund und Händen, wie sie es mehr als ein halbes Jahrhundert getan hatte. „Ich kann Gott nicht genug danken; ich bin so dankbar für alles und für jeden Augenblick meines Lebens,“ sagte sie sehr oft. In Sr. Bertwina, nun unsere einzige deutsche Schwester in Korea, hatte sie eine „Seelenfreundin“, mit der sie gern die Zeit verbrachte, in Gebet und geistlichem Austausch: Erinnerungen austauschen, Briefe an die Familie, Freunde und Wohltäter diktieren, Jäten im Kräutergarten und Bewundern der Blumen auf ihrem je eigenen Blumenbeet.

Sr. Caritas beeindruckte jung und alt. Sie war ein richtiges Lebensmodell für uns alle. Ihre einzige Klage war über die Arthrose in ihren Knien. Doch Anfang Dezember letzten Jahres rutschte sie aus, als sie vom Bett aufstand. Von da an mußte sie die meiste Zeit im Bett bleiben. Doch selbst im Bett war sie immer in guter Laune. Sie grüßte jede Besucherin mit einem hellen und frohen Lächeln und pflegte zu sagen: „ Ich opfere meine kleinen Schmerzen und Beschwerden auf. Sie sind meine kleinen Gaben, die ich Jesus anbiete.“ „Ich kann Gott nicht genug für meinen Beruf danken. Wenn die Leute nur wüßten, wie glücklich wir in unserer monastischen Berufung sind, alle Leute und die hübschen jungen Damen würden in die Klöster strömen.“ Jeden Nachmittag nahm sie eine der Schwestern im Rollstuhl zu einem „Spaziergang“ im und ums Haus.

Am Nachmittag ihres Todestages wurde unsere immer fröhliche Sr. Caritas in ihrem Rollstuhl zu einem Besuch zu Sr. Bertwina gefahren. Bei diesem Besuch diktierte sie einen Brief aund unterhielt sich ein wenig mit Sr. Bertwina. Dann ging es hinauf in den dritten Stock, um sich im Noviziat umzusehen. Als sie in ihr Zimmer zurückkam, erledigte sie die übliche Nachmittagsroutine. Sie betete die Vesper vom Bett aus, wo sie durch das Interkom der Kommunität dem Gesang der Vesper zuhören konnte.

Nach dem Abendessen schien sie unruhig und die beiden jungen Schwestern, die ihr einen Abendbesuch machten, bemühten sich, ihr beizustehen. Gegen 9 Uhr kam die Helferin der Infirmarin, Sr. Myriam, um sie für die Nacht zu richten; Sr. Gertrud, die Priorin, kam für den „Abendsegen“ und Sr. Petra, die Infirmarin, machte ihre abendliche Runde. Sr. Caritas klagte über Atembeschwerden und sagte, „Ich kann nicht atmen. Ich kann nicht atmen.“ Dann betete sie, „Mein Jesus, Barmherzigkeit! Mein Jesus, Barmherzigkeit!“ und wir wiederholten es jedes Mal. Zweimal aus dem Bett und wieder rein, rief sie: „Mein Schutzengel! Mein Schutzengel!“ und dann, stehend, in den Armen von Sr. Gertrud, „Ich sterbe ... ich sterbe ...Legt mich ins Bett.“ Bis wir Sr. Caritas auf ihr Bett gelegt hatten, atmete sie nicht mehr. Wir beteten weiter „Mein Jesus, Barmherzigkeit“, und als die Kommunität beisammen war, sangen wir „Suscipe me Domine ...“

Es schien alles so plötzlich. In einem Augenblick hatte der Gott des Lebens und der Herr der Liebe unsere liebe Sr. Caritas unseren Armen entrissen. Sr. Caritas pflegte zu sagen: „Meine Seele hängt an Jesus. Im Augenblick meines Todes wird Jesus mich mit seinem rechten Arm zu sich in den Himmel holen.“ Es war kurz nach 10 Uhr abends, am 24. Januar. An diesem Tag, vor 51 Jahren, kehrten Sr. Caritas und ihre Gefährtinnen nach ihrem unbeschreiblichen Leiden von vier-einhalb Jahren nach Tutzing zurück. Am gleichen Tag und im 50. Jahr ihrer Mission in Südkorea kehrte unsere Sr. Caritas heim zu Gott.

Während Sr. Caritas in den Himmel ging, sandte uns der Himmel Millionen von kleinen weichen weißen Flocken. Am folgenden Tag bekannte eine der Postulantinnen „zitternd“: „Gestern Abend habe ich Sr. Caritas gebeten, uns Schnee zu schicken. Der Winter war so trocken und wir hatten nur ganz wenig Schnee.“ Aber die Organisatoren für das Totenamt und das Begräbnis machten sich Sorgen über die Aushebung des Grabes und die eventuell riskanten Straßenverhältnisse für reisende Gäste, besonders die Taubstummen, die von Nah und Fern kommen würden. Wir sorgten uns besonders wegen des vielleicht vereisten Weges zu unserem Friedhof, der auf einem Hügel liegt.

Trotz der kurzfristigen Benachrichtigung und der gefährlichen Straßenverhältnisse kam der 85-jährige Kardinal Stephan Kim, um mit uns um seine alte Freundin zu trauern und der Hauptzelebrant der Begräbnismesse zu sein. Am 26. Januar, dem Tag der Beerdigung, ging die Sonne hoch und hell auf, der Himmel war blau und der Tag war warm. Die Taubstummen und die Schwestern vom Priorat Seoul kamen in Bussen. Es war ein passender Tag für die Beerdigung von Sr. Caritas. Die Prozession zum Friedhof war ein „Triumphzug“ durch den stillen Klostergarten und den Hügel hinauf zum Friedhof, der sich zwischen immergrünen Bäumen birgt.

Auch die politische Welt anerkannte Sr. Caritas’ Werke: Im März 1977 erhielt sie von der koreanischen Regierung die Donbaeg Medaille, d.i., den Nationalen Verdienstorden. Im November 1977 erhielt sie das Verdienstkreuz Erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Sr. Caritas war auch Ehrenbürgerin der Stadt Öttingen.

Am 18. Februar 2005 schrieb Rosemarie, die Nichte von Sr. Caritas, an Sr. Bertwina folgendes: Herr Wagner, Rosemaries Ehemann, hatte ein Nierenproblem und sollte ins Krankenhaus gehen. Doch die Familie plante die Requiemmesse für 7:00 Uhr abends, gefolgt von Erfrischungen, die Rosemarie vorbereitet hatte, und eine Dia-Vorführung von Herrn Wagner, alles am 10. Februar, dem Fest der hl.Scholastika. Doch am Nachmittag dieses Tages bekam Herr Wagner eine schwere Kolik. Rosemarie fragte Sr. Caritas: „Wer soll denn die Dias zeigen, wenn mein Mann so krank ist?“ Kurz vor dem Requiem kam ein Weizenkorn-großer Nierenstein heraus und er hatte keine Schmerzen mehr.

Wir sind Sr. Caritas dankbar für das, was sie für uns alle war, and wir danken Gott, der sie uns gegeben hat. Auf Erden liebte uns Sr. Caritas und im Himmel wird sie unsere Fürsprecherin sein. Bitte beten Sie für uns und alle, die um Sr. Caritas trauern. Auf dieser Erde, mögen wir alle „kosten und sehen, wie gut der Herr ist!“, und mögen wir einst alle im Himmel vereint sein.


Am Hochfest des hl. Joseph, 19. März 2005                                                                                                                St. Benedikt Priorat, Daegu   
 

Aus dem Bericht eines Taubstummen:

     Ich, Nikolaus, erinnere mich gut an den Sonntagmorgen. Mit meiner Frau und unseren vier Kindern gehe ich zur Kirche. Ich schaue noch mal an mir herunter, reibe meine Schuhe ab. Auch wenn wir in einer Höhle wohnen am Berg - es ist heute Sonntag und wir gehen zur Kirche! Ich freue mich darauf. Ich höre zwar nicht, was der Priester sagt, aber ich weiß genau, was hier zur Sprache kommt. Und ich feiere mit. Schließlich war die Pfarrei das einzig Heimatliche, das wir nach der Flucht aus dem Norden 1945 hier im Süden vorfanden. Sie war Trost und Halt durch all die Jahre. Unser Leben fristeten wir recht und schlecht. Es gab so viele, die auch Arbeit brauchten. Hin und wieder Glück haben, ein bißchen was zu essen, ein Dach über dem Kopf, das genügte. Wenn das Dach auch nur eine Höhle war; viele Taubstumme lebten neben, ober- und unterhalb von uns, viele gab es, die nicht mal in einer Höhle Platz fanden.
     Nach der Messe stand ich auf dem Kirchplatz, auf die Kinder wartend, inmitten vieler Leute, die lachten, schwatzten, Neuigkeiten und Sorgen austauschten. Mich beachtete Niemand. Sie hatten es längst aufgegeben, mich anzusprechen und waren an mein Stummsein gewöhnt. Da tauchten aus der Menge plötzlich Schwestern auf. Schwestern! Sofort fiel mir meine Heimat ein, Wonsan, wo das Leben für mich erst recht begonnen hatte. Dort hatte ich gelernt, mit Zeichen zu sprechen, mich auszudrücken und zu verstehen, was andere mir sagen wollten. Es war damals, als ob ich aus einem Gefängnis befreit worden wäre. Einer um den andern gesellte sich dazu. Unser Los schweißte uns zusammen, wir wurden Freunde. Eine ganze Welt tat sich neu für uns auf, und wir wollten alles wissen, alles erfahren und austauschen, was wir dachten und empfanden. Wir halfen uns gegenseitig, lernten voneinander und miteinander. Wer uns immer mehr zusammenführet und uns schließlich auch zum Glauben an Jesus Christus verhalf, das waren die Schwestern gewesen.

     Jetzt traue ich meinen Augen nicht: Sr. Caritas ist dabei! Die Freude ist riesengroß, und vieles gibt's zu erzählen. Aufregende Jahre liegen hinter uns. Und hier, vor einer der vielen Kirchen in Seoul, an einem Sonntagmorgen, treffen wir uns wieder. Da haben wir gefeiert! Ich erzählte es all meinen Nachbarn und Bekannten. Natürlich suchten wir die Schwestern immer wieder auf. Wir fingen von neuem an zu lernen. Unseren Frauen wurde eine Nähmaschine geschenkt. Wir wußten nicht, wohin damit, aber die Schwestern mieteten einen Raum für uns, und so begann unsere bescheidene, aber doch eigene Produktion.

     Zu unserm Entsetzen wurde der Berg verkauft. Der neue Besitzer wollte uns nicht dulden. Wo sollten wir hin? Natürlich erfuhr es auch Sr. Caritas. Die Schwestern setzten alles in Bewegung. Sie hatten Freunde in den USA und in Deutschland. Das »Dorf der Stille« entstand. Wir konnten eine Nudelfabrik aufmachen, ein Restaurant übernehmen und armen Leuten täglich ein preiswertes Essen servieren. Später stellten wir uns um auf das Nähen von Puppenkleidern. Von diesem Erlös leben auch heute noch viele Taubstumme. Vieles hat sich in den letzten Jahren in der Kirche und auch im Staat zu unseren Gunsten entwickelt. Mit Fingern und Händen sage ich: »Gott sei Dank!«

 

 



Sr. Mechtild Kuhl OSB

10. April 1941 - 21. April 2005

"ER wird es fügen"


Diesen Wahlspruch ließ Sr. Mechtild in den Ring ihrer Ewigen Profeß eingravieren und mit ihm verstand sie ihr Leben. Er erfüllte sich für sie letztmals in den frühen Morgenstunden des 21. April 2005, als ER in seinem unerforschlichen Ratschluss unsere liebe Schwester Mechtild, unbemerkt für uns alle, heimholte ins ewige Leben.

Am 10. April 1941, in schwerer Kriegszeit, in eine große, von ihr heißgeliebte Familie geboren, wuchs Sr. Mechtild mit sechs Brüdern und Schwestern auf in ihrer ebenso heißgeliebten Heimat in Westerholt, Westfalen. Zeitlebens blieb sie ihrer Familie eng verbunden, durchlebte und durchlitt sie das Schicksal ihrer Eltern und Geschwister, besonders derer, die ihr im Tod vorausgingen. Auch die Familie hielt Sr. Mechtild die Treue und begleitete sie auf ihren Missionswegen mit viel Verständnis und konkreter Hilfe. Unzählbar die Liebespakete, die sie ihr im Lauf der Jahre schickten und die ihr halfen, die Entbehrungen ihres Missionslebens leichter zu ertragen. Der Familie zuliebe verzichtete Sr. Mechtild in diesem Jahr auf den ihr zustehenden Heimaturlaub, um im kommenden Jahr die Goldene Hochzeit ihrer Schwester mitfeiern zu können. Für die Familie war es der letzte große Verzicht, daß sie
Sr. Mechtild nicht mehr sehen und ans Grab begleiten konnte.

Sr. Mechtild's Leben verlief auf seine Weise geradlinig, so wie sie selber war: war einmal das Ziel entschieden, gab es keine weiteren großen Worte und Diskussionen darüber. Von 1947 bis 1962 besuchte sie die Hauptschule in ihrer Heimat und anschließend die Sozial-Fachschule in Soest und danach spezialisierte sie sich in Kinderkrankenpflege. Am 15. April 1963 trat sie bei den Missions Benediktinerinnen in Tutzing ein und legte am 21. Oktober 1965 dort die erste Profeß ab. Von 1966 bis 1971 vervollkommnete sie ihre berufliche Ausbildung mit dem Studium der allgemeinen Krankenpflege und dem Hebammenkurs in Köln. Ihre berufliche und klösterliche Ausbildung besiegelte sie mit der Ewigen Profeß am 15. April 1972. Noch zwei Tage vor ihrem Tod äußerte sie in einem Telefongespräch: "Die Ewige Profeß war für mich das Wichtigste in meinem Leben. Damals habe ich gewußt, was ich versprach und leben wollte und das hat mein Leben geprägt!"

Bald nach der Ewigen Profeß erging an sie der Ruf in die Mission, in die Station Cazombo, am Zambesi Fluß, weit im Osten Angolas, im Herzen Afrikas gelegen. Sie folgte frohen Mutes und machte sich ans einjährige Studium der portugiesischen Sprache in Portugal, damals eine staatliche Bedingung für die Einreise in die koloniale portugiesische "Überseeprovinz" Angola. Sprachenlernen blieb in ihrem Missionsleben eine schwere Aufgabe für Sr. Mechtild und zeitlebens litt sie unter ihren vermeintlich schwachen Sprachkenntnissen. Doch konnte sie sich überall mit den Leuten verständigen, selbst in so schwierigen Dialekten wie Mbukuschu oder N'gangela und sicher hat es aufgrund mangelnder Verständigung bei ihr keine Fehldiagnose gegeben.

Mit dem Schiff konnte sie endlich am 17. März 1973, von Lissabon aus, nach Angola abreisen. Am 1. April kam sie in Luanda an, im Land ihrer Bestimmung und ihrer großen Liebe. ,,Angola - meu amor" ( Angola - meine Liebe) - diesen damaligen Propagandaspruch der Kolonialregierung nahm sie sich zu Herzen und er begleitete sie fortan bis zu ihrem Tod, ihn lebte sie mit der ihr eigenen Konsequenz und geradlinigen Treue, manchmal bis zur Sturheit. Die Liebe zu Angola brachte ihr viel Freude in der Erfüllung ihrer Aufgaben, aber auch schmerzliches, entbehrungsreiches Leiden im Mitleben der tragischen Geschichte dieses Landes und seines Volkes.

Der Anfang in Cazombo war vielversprechend und schien zu bringen, was sich die junge Schwester erträumte: viel Arbeit im geliebten Beruf mit (werdenden) Müttern und Kindern im Hospital der Station Cazombo, eine lebendige Kirche unter einem fröhlichen Volkstamm. Die unheilvolle Entwicklung des Landes warf jedoch schon bald seine Schatten voraus. Cazombo, im Stammland der schon damals in Opposition zur Kolonialregierung lebenden und kämpfenden UNITA gelegen, konnte wegen der sich intensivierenden Kämpfe und Überfälle nicht gehalten werden und wurde zu unserem
großen Leidwesen im Januar 1975 geschlossen. Sr. Mechtild siedelte noch 1974 über in unsere älteste Angolamission nach Cuchi, in die Kuando-Kubango Provinz im Süden, ans ,,Ende der Welt", wie die Angolaner noch heute zu sagen pflegen. Dort arbeitete sie im neugebauten Hospital der Mission sehr segensreich und dort begründete sie auch ihren Ruf als ausgezeichnete, kompetente Krankenschwester und Hebamme. Und wieder machte die Politik ihrem Wirken ein unerwartetes Ende: die ,,Nelkenrevolution" vom 25. April 1974 veränderte nicht nur Portugal, sondern brachte auch den Kolonien die ersehnte Unabhängigkeit. Für Angola schlug die Stunde am 11. November 1975, doch nicht zum Frieden, sondern zum endgültigen, grausamen Bürgerkrieg. Der kündigte sich bereits zuvor mit blutigen Unruhen in allen Provinzen an, mit wachsender militärischer Auseinandersetzung unter den ideologisch gegensätzlich ausgerichteten drei großen ,Befreiungsbewegungen’. Nur kurze Zeit war es unseren Schwestern vergönnt, unter gefährlichsten Bedingungen dem armen, geplagten Volk Dienste zu leisten, denn bereits im Sommer 1975 wurde die Lage so unhaltbar, daß den Schwestern, unter ihnen
Sr. Mechtild, nur noch die Flucht ins südliche Namibia das Leben retten konnte. Der Begleitung eines hohen UNITA-Offiziers war es zu verdanken, daß die Gruppe der Schwestern dort auf abenteuerlichen Wegen ankam.

Für Sr. Mechthild brachte das einen neuen Missionseinsatz im Priorat Windhoek, beim Mbukuschu-Stamm, auf der Station Andara, am Kavangofluß gelegen, der zugleich die Grenze zwischen Angola und Namibia bildet. Die folgenden 13 Jahre wirkte sie, mit einigen Unterbrechungen in Windhoek, dort im Hospital. Fachliche Fortbildungskurse in Südafrika bereicherten ihre berufliche Kompetenz und in den Heimaturlauben nahm sie stets Gelegenheiten zur geistlichen Erneuerung wahr.

Ihre Sehnsucht nach "Angola" jedoch wuchs mit den Jahren und auch die vielen Hilfen für Angola-Flüchtlinge im Norden Namibias konnten ihr Drängen nach einer erneuten Aussendung ins Land ihrer "ersten Liebe" nicht dämpfen. Ihrem Wunsch wurde schließlich nachgegeben und am 21. Oktober 1988 kam sie zurück nach Menongue (ehemals Serpa Pinto), auf die neue Station, welche die Schwestern 1974 gerade noch vor Kriegsausbruch halbwegs fertigstellen konnten. Eine Rückkehr nach Cuchi blieb ausgeschlossen, da die Mission dort zerstört worden war und bis zum heutigen Tag vermint ist. Der erfüllte Wunsch brachte Sr. Mechtild nun einen Weg der Entbehrungen, eines kargen Lebensstils, der Erschöpfung und die Konfrontation mit unsäglichem Leid, mit den Ärmsten der Armen. Sie setzte sich ein, wo sie konnte, für viele Jahre im Provinz-Hospital in Menongue, aber darüberhinaus in der privaten Sorge für Arme und Kranke, vor allem für Kinder. Sie hatte ein tiefes Einfühlungsvermögen in die erschöpften, ausgehungerten Kleinen und großes diagnostisches Geschick. Stets wußte sie ein Heilmittel für aussichtslose Fälle. Der Ruf ihrer medizinischen Kompetenz war außergewöhnlich; Ärzte suchten ihren Rat, so mancher zog ihre Behandlung der des kubanischen oder nordkoreanischen Personals vor. Nach der Rückkehr vom anstrengenden Dienst im Hospital erwarteten sie die vielen Kranken und Notleidenden, die beim Schwesternhaus Zuflucht suchten. Es war nicht nur die rein medizinische Behandlung, um die sich Sr. Mechtild kümmerte. Die wichtige Allgemeinsorge um die Hilfsbedürftigen kam hinzu: hier ein provisorisches Bett bereiten; dort eine wärmende Decke ausgeben; Milch für die Säuglinge und Kinder anrühren, kochen und austeilen; Nahrung und Kleidung suchen. Berühmt wurden ihre Eigenblut-Transfusionen, mit denen sie das Leben so vieler Kinder rettete.

In diesen Jahren verausgabte sich Sr. Mechtild völlig, ihre physischen Kräfte ließen merklich nach und sie erholte sich nie mehr von dieser Erschöpfung. Dennoch war sie bereit für neue Aufgaben. In den letzten Jahren, nach Kriegsende 2002, plante und begann sie außerhalb Menongues mit der medizinischen Versorgung, in den neu zugänglichen Dörfern der Leute, die jahrzehntelang dort ohne medizinische oder soziale Hilfe leben mußten und heute die wirklich Armen Angolas sind. Im Dispensário "Sao Bento", beim Schwesternhaus in Menongue, betreute sie viele Patienten und am letzten Tag ihres Lebens noch versorgte sie einen Malariakranken in dessen Haus, obwohl es ihr an diesem Tag gar nicht gut ging.

Im Tiefsten war dieser treue Dienst die Lebenshingabe unserer Mitschwester, wie sie sie am Tag ihrer Ewigen Profeß versprochen hatte -- so hat sie es verstanden und umgesetzt. Diesen Ruf, diese Antwort lebte sie auf ihre Weise einfach und konsequent, ohne viele Worte. Die Armen waren das Ziel ihrer persönlichen ,,Mission" und Nachfolge Christi. In ihrem Tagzeitenbuch bewahrte sie ein Wort von Gertrud von Le Fort auf: "Das Leid der Erde ist selig geworden, weil es geliebt wurde ". Das wollte Sr. Mechtild auf ihre bescheidene Weise mit der Kraft Gottes an diesem unbedeutenden Ort verwirklichen. Sie hatte ein wahres Mit-leid mit den Armen, deren Elend sie zu Tränen rühren konnte. Dabei war ihr das eigene Temperament ganz oft wie ein blockierender Fels, der sie hinderte, ihr Mitleid zu zeigen. Zorn und Unwille über das Elend konnten überhand nehmen und zu heftigen Reaktionen führen. Sr. Mechtild tat sich schwer, Emotionen zu zeigen oder solche zu empfangen, worunter sie zeitlebens sehr gelitten hat. Sie lebte äußerst bescheiden und wollte niemandem zur Last fallen, so daß es bisweilen nicht leicht war, ihr in Problemen oder in kranken Tagen zu helfen. Und so war es auch an ihrem letzten Lebenstag, an dem sie sich wegen einer starken Diarrhoe und einsetzenden Malaria recht schwach fühlte. Diesen Tag über blieb sie bei den Schwestern und begab sich erst am Nachmittag in ihrem Zimmer zu Bett. Mehrere Male suchten die Schwestern sie auf: brachten ihr etwas zu Essen und schauten zuletzt gegen 21.00 noch einmal nach ihr. Sr. Mechthild gab die Auskunft, es gehe ihr gut und sie brauche nichts. Sie hatte ein starkes Malariamedikament eingenommen, dem vielleicht ihr Herz nicht mehr standhalten konnte. Man wollte sie am Morgen ruhen lassen und schaute erst gegen 9.20 nach ihr. Wie groß war der Schock, als man Sr. Mechthild tot fand. Sie war bereits einige Stunden zuvor offensichtlich ohne jeden Todeskampf gestorben, aus dem Bett geglitten, als sie Trinkwasser holen wollte, denn sie hielt ihre Wasserflasche im Arm. Bis in den Sarg behielt sie einen ganz friedvollen, fast heiteren Gesichtsausdruck bei - man konnte sie schlafen wähnen bei einem schönen Traum.

So fügte Gott ihr Ende, wie wir glauben ganz nach ihrem Wunsch. Auf die Begegnung mit ihrem Schöpfer war sie vorbereitet. In ihrem Gebetbuch bewahrte sie an einem besonderen Platz ein Bild vom ,Kreuz der Auferstehung und hatte mit roter Schrift auf die Rückseite geschrieben:

            " Meine Arche treibt auf dem Versprechen Gottes.
            Seine Treue trinkend kann ich die Tage tragen
            und die Nächte bestehen."

Ihre Arche war auf dem Gottesberg gelandet!

Sr. Mechtild wurde von "ihren" Angolanern durch eine außergewöhnlich große Trauergemeinde im Tod geehrt, nach afrikanischer Sitte. Hunderte und Aberhunderte von Menschen nahmen von ihr Abschied, Arme und Kranke, Reiche und Machthabende. Neun Priester zelebrierten am 23. April in der überfüllten Kathedrale von Menongue das Requiem am offenen Sarg und anschließend begleitete die große Menschenmenge den Trauerzug zum weit außerhalb der Stadt gelegenen Friedhof.

Sr. Mechtild fand ihre letzte Ruhestätte auf einem einfachen Totenfeld, in der Weite und Stille der Landschaft, die sie zeitlebens so liebte.
Ruhe in Frieden 
in deinem geliebten Angola,
 liebe Sr. Mechtild!


 


Schwester Bernardine Hefele

(1870-1957)

St. Ottilien / Tutzing / Dar-es Salaam

  Josephine Hefele erlebte viele Geschichten im Laufe ihrer 87 Lebensjahre. Sie wurde am 4. Januar 1870 in Bronnen, Süddeutschland geboren. Sie wuchs in einer gesunden und starken, kinderreichen und tief gläubigen Familie heran. Zwei ihrer Schwestern gingen in Menzingen ins Kloster.

  1889 dachte Josephine über ihre eigene Berufung nach. Zu dieser Zeit brachten die deutschen Zeitungen Nachrichten über die Benediktiner-Mission in Ostafrika. Aufmerksam las sie die über die Geschehnisse der Zerstörung der Missionsstation in Pugu  am 13 Januar 1889. Eine Schwester und zwei Brüder hatten dort ihr Leben verloren. Eine andere Schwester und drei Brüder waren in Gefangenschaft geraten. Josephine las über das Mutterhaus in St. Ottilien. Sie ließ sich nicht abschrecken von den Risiken des Lebens in der Mission. Im Gegenteil, sie wünschte sich, eine Missions-Benediktinerin zu werden. (So erging es auch der späteren Mutter Birgitta Korff und den Schwestern Thekla Münninghoff, Constantia Mayr, Elisabeth Mösl und Marcella Epping; sie alle arbeiteten in Afrika).

1890 trat Josephine Hefele in St. Ottilien ein. Am 6. Januar 1894 legte sie ihre Gelübde ab unter dem Namen Sr. Bernardine. Schon am 1. Juni desselben Jahres wurde sie in die Mission nach Ostafrika geschickt. Sie arbeitete zuerst im Kloster St. Maria in Dar es Salaam, wo die Schwestern 1890 ihre Missionsarbeit aufgenommen hatten.

Im August 1895 machten sich die Schwestern Birgitta Korff, Bernardine Hefele, Klara Essmann und Afra Gillot auf den Weg zu einer neuen Station in Lukuledi, tief im Süden von Dar es Salaam. Diese Safari beanspruchte einen fünftägigen, jeweils 8-stündigen, anstrengenden Fußmarsch. Nachdem sie die Palmenhaine in der Nähe der Küste hinter sich gelassen hatten, mussten sich die Reisenden ihren Weg über steinigen und dornigen Boden ins Landesinnere suchen. Sie hatten nur magere Tagesrationen und litten unter Durst. Bald hatten sie wunde Füße. Nachts schliefen sie auf Zweigen und trockenem Gras unter freiem Himmel. Die Träger zündeten Feuer an, um Löwen und andere wilde Tiere vom Lager fern zu halten. Mehr als einmal schreckten sie in der Nacht auf, weil ein Löwe in der Nähe brüllte. Aber dann erreichten sie glücklich Lukuledi.

Eine Lehmhütte aus Bambus, große Armut und Bedürfnisse waren ihr Willkommensgruss. Aber der Herr in der kleinen Bambuskapelle war das Zentrum der Mission in Lukuledi. Der Altar wurde aus alten Kisten und Brettern gezimmert. Voll Eifer und Courage begannen die Schwestern ihre Arbeit; sie besuchten die Kranken uns versammelten die Kinder zum Unterricht. Sie jubelten, wenn ein Sterbender um die Taufe bat oder wenn die rettenden Wasser einem Kind den Himmel öffneten. Gemäß der damals gängigen Theologie waren die Schwestern überzeugt, dass die Leute durch die Taufe vor der Hölle bewahrt blieben. Die Taufe wurde jedoch den Kranken nur nach ausreichender Unterweisung gespendet, wenn keine Hoffnung auf Heilung mehr bestand, oder wenn die Kranken selbst den Wunsch äußerten, getauft zu werden.

Sehr bald lernte Sr. Bernardine eine große missionarische Lektion, die sie in ihrem ganzen Leben nicht mehr vergaß. Das afrikanische Volk öffnete sich nur für Christus, wenn sie sich genug Zeit nahm, um sich mit den Leuten zu unterhalten. Nach Erlernen der Kiswahili Sprache wurde sie der „Außenminister“ des Priesters. In jeder Mission und bis hinein in ihr hohes Alter war es für Sr. Bernardine eine Freude, die Menschen in Ihren Häusern zu besuchen.

In Lukuledi gab es kein Wasser. Aus diesem Grund wurde die Station 1898 nach Nyangao verlegt. Nach dem Tod von Sr. Marcella wurde Sr. Bernardine 1903 die Oberin der Gemeinschaft. Sie setzte ihre Hausbesuche fort, auf der Suche nach kranken Christen oder Heiden, und musste so viele Stunden unterwegs sein auf ihren Wegen der Nächstenliebe. Pater Leo nannte sie seinen „Kaplan“. Sie war wie der gute Hirte, der nach vielen verloren Schafen seiner Herde suchte. Gott segnete die missionarischen Bemühungen  und die christliche Gemeinschaft in Nyangao wuchs und blühte auf.

Der Maji-Maji Aufstand gegen die deutsche Kolonialherrschaft 1905 brachte ein jähes Ende. Alle Niederlassungen von Weißen, auch den Missionen, waren in Gefahr. Am 14. August wurden fünf Missionare auf dem Weg ins Landesinnere getötet: Bischof Cassian Spiss, zwei Brüder und unsere Schwestern Felicitas Hiltner und Cordula Ebert. Das war im südlichen Teil des Landes, in einem Gebiet im Distrikt Liwale, genannt Mikukuyumbu.

Am 28. August erfolgte ein Anschlag auf Nyangao. Bald nachdem das Missionspersonal in den  Busch geflohen war, wurde die Station zerstört. Die Flüchtenden wurden von den Rebellen eingeholt und gefangen genommen. Sr. Bernardine kniete sich neben Schwester Walburga, als diese mit einem Schuss in der Hüfte getroffen wurde. Sie hörte ihr Gebet: „Lieber Heiland, ich biete Dir mein Leben an. Rette die anderen!“ Pater Leo Lang erhob seine Hände zu einem letzten Segen. Plötzlich stoben die Angreifer in Panik auseinander und flohen, weil sie wohl meinten, es handle sich um eine Magie. Die Missionare flohen in die entgegen gesetzte Richtung. Erst nach Einbruch der Dunkelheit bemerkten sie, dass Sr. Walburga fehlte, die mit den Kindern am Ende des Trupps gelaufen war.

Die nächtlichen Stunden nach dieser Entdeckung waren wahrscheinlich die schrecklichsten in Sr. Bernardines Leben. Es war unmöglich, Sr. Walburga in der Dunkelheit ausfindig zu machen. Sie hatten sich stundenlang durch den Busch geschlagen, ohne zu wissen, wohin sie liefen und waren am Ende ihrer Kräfte. Vielleicht war es die Müdigkeit, die ihren Kummer ein wenig abschwächte.

Nach sieben Tagen, in denen sie sich im Busch versteckt gehalten hatten und immer gelaufen waren, erreichten die Überlebenden von Nyangao die Küste bei Lindi. Sie waren in ständiger Todesgefahr von Seiten der Rebellen und wilden Tieren gewesen, sie waren ausgehungert und durstig. Ihre Kleidung war zerrissen, schmutzig und voller Blut. Es war ein richtiger Kreuzweg gewesen. Sie schrieben Schwester Walburga durch das Opfer ihres Lebens ihre Rettung zu.

Bald nach ihrer Ankunft in Dar-es Salaam, starb Schwester Avia Marschner an den Folgen der Flucht. Schwester Bernardine Hefele und Schwester Helena Lettner kehrten zur Erholung ins Mutterhaus zurück. Ihre unguten Erfahrungen machten sie nicht mutlos; sie nutzten die Zeit, um Sprachen zu lernen und andere Fähigkeiten zu erwerben.

1908 wurden sie wieder nach Ostafrika gesandt. Nyangao war eine Ruine. Die Schwestern Bernardine und Helena arbeiteten in der Neugründung von Ndanda. Als Oberin der Gemeinschaft, nahm Sr. Bernardine ihre Wege durch den Busch auf, um mit dem Volk in Verbindung zu kommen. Die gute, kompetente Sr. Helena starb ein Jahr nach ihrer Ankunft in Ndanda, und Sr. Hieronyma Holtkamp 1912. Schwester Bernardine hatte beide Schwestern mit Hingabe gepflegt und trug schwer am Verlust dieser Gefährtinnen. Sie selbst überlebte zwei Anfälle des gefürchteten Schwarzwasser-Fiebers.

1914 brach der Erste Weltkrieg aus. 1917 wurden die deutschen Truppen in Ostafrika besiegt. Bei der Übernahme durch die Engländer wurden die deutschen Missionare in der Nähe von Dar es Salaam interniert. 1920 wurden die letzten deutschen Schwestern aus dem früheren deutschen Ostafrika ausgewiesen.

Die Priorin von Dar es Salaam, Sr. Thekla Münninghoff, war an Krebs erkrankt. Deshalb bekam sie von den britischen Besatzungstruppen die Erlaubnis, nach Deutschland zu reisen. Sr. Bernardine begleitete sie und pflegte sie in Tutzing bis zu deren Tod 1921.

Während ihres Aufenthalts in Tutzing, erlebte Sr. Bernardine die Resignation von Mutter Birgitta Korff vom Amt der Generalpriorin (1920) und die Wahl von Mutter Melania Vollmer.
Am 19. Juli 1921 wurde Sr. Bernardine als eine der ersten Generalrätinnen der Kongregation gewählt. Dies geschah nach den kürzlich entwickelten neuen Konstitutionen. Zu dieser Zeit war Sr. Bernardine auch die hauptamtliche Krankenschwester in Tutzing und Oberin von Schellenberg, einem Erholungsheim in den Alpen für Tuberkulosekranke. Schwester Bernardine war immer  froh, beschäftigt zu sein und pflegte zu sagen: „Ich kann nicht einfach so dasitzen und darauf warten, wieder nach Afrika zurückzukehren. Ich muss etwas tun!“

Aber ihr Herz war in Afrika. Immer wieder fragte sie nach Möglichkeiten einer Rückkehr. Da sie unbedingt wieder in die Mission wollte, ging sie eines Tages zu Mutter Melania und bat sie, in ein anderes Missionsgebiet geschickt zu werden. Als sie zurückkam, strahlte sie vor Freude und erzäh