MISSIONS-BENEDIKTINERINNEN VON TUTZING

Meihekou

“AIMIN-HOSPITAL” heisst das 500-Betten-Krankenhaus im Nordosten Chinas, in dem unsere acht Schwestern aus 4 verschiedenen Nationen seit der Einweihung im Jahr 2000 tätig sind. “AIMIN” bedeutet soviel wie: “in Liebe den Menschen zugewandt”. Das ist genau das, was die Schwestern durch ihren Dienst ausdrücken wollen. 1993 kamen sie auf Einladung der Regierung als “Spezialistinnen” ins Land, erlernten die chinesische Sprache und bauten eine Klinik, die nun in das neuerrichtete Hospital integriert ist.

Vor allem die Armen in der ländlichen Umgebung liegen den Schwestern am Herzen. Sie fahren regelmässig mit ihrer mobilen “Klink” hinaus, um diesen Menschen zu helfen.

Die Ärztin, Sr. Irene aus Namibia, bei ihrer Arbeit.

Schwestern mit dem neuen Klinik-Bus

In der Fotogalerie unten sehen Sie einige Aspekte aus dem Leben und Wirken unserer Schwestern

 

Brief von Sr. Mirjam Schweiger aus China

Meihekou, 10. Januar 2006

Mit diesem Brief möchte ich Sie teilnehmen lassen an meinem Leben und meinen Erfahrungen hier in Nordostchina.
 
Im Frühjahr 2005 wurde ich von einer US Institution (ICC) angefragt, mit einem Expertenteam einen zweiwöchigen Kurs zu leiten mit dem Thema: Grundversorgung und physiotherapeutische Behandlung von behinderten Kindern für Leiter von Sozialzentren und Kinderheimen. Dieser Kurs wurde in der Nordostprovinz Liaoning angeboten und wurde von der Provinzregierung unterstützt. Neben mir unterrichteten noch zwei andere Fachkräfte. Eine Australierin, die in Kinderkrankenpflege ausgebildet war und eine Sonderschullehrerin aus Singapur. Der Kurs war obligatorisch für alle die im Bereich der staatlichen Sozialzentren in der Provinz Liaoning arbeiten. Die chinesische Regierung ist mehr und mehr bemüht die Missstände im Sozialbereich zu beheben. Es ist immer noch alltäglich, dass Kinder ausgesetzt werden. Das konnte ich erst vor kurzem selbst erleben. An einem Nachmittag ging ich in unserem Krankenhaus zu den Krankenstationen. Auf dem Weg dorthin sah ich auf einer Wartebank ein Bündel, das sich bewegte und aus dem ein Wimmern kam. Beim näheren Hinschauen entdeckte ich ein Baby, nicht älter als 6 Tage, das Gesicht entstellt durch eine einseitige Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Nach Erstversorgung im Notfallzimmer, benachrichtigten wir die Behörden im städtischen Sozialamt und danach brachte ich das Baby ins Sozialzentrum. Das ist kein Einzelfall. Fast täglich werden Kinder im Sozialamt abgeliefert. Meistens sind es behinderte Kinder, doch auf den Dörfern werden auch immer noch gesunde Mädchen ausgesetzt.

Das Sozialzentrum in Meihekou sendet mir auch weiterhin jeden zweiten Tag behinderte Kinder zur Behandlung. Seit November nun arbeitet eine junge Praktikantin in meiner Abteilung. Sie ist in der Ausbildung als Physiotherapeutin und mein Wunsch ist, dass sie nach ihrem Abschluss meine Arbeit im Sozialzentrum übernehmen wird. Es gibt im Sozialzentrum einen Reharaum mit guter Einrichtung, alles finanziert von US Institutionen, doch dieser Raum ist geschlossen, weil niemand dafür ausgebildet ist. Und das ist kein Einzelfall in China.

Meine Arbeit in der Rehabilitationsabteilung des Aiminhospitals fordert mich mehr und mehr. Seit September arbeiten zusätzlich zwei frisch ausgebildete Therapeuten mit in der Abteilung. Beide haben zwar Hochschulabschluss, doch sie hatten keinerlei praktische Anleitung. So sind neue Mitarbeiter erst mal eine große Last, da sie in allem angeleitet werden müssen. Meine Abteilung platzt seit Monaten schon aus allen Nähten. Im September 2005 wurde nun mit dem Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes begonnen. Im August 2006 werde ich voraussichtlich in einen anderen Gebäudekomplex ziehen, das mehr als doppelt so groß ist wie die jetzige Rehabilitationsabteilung. So wird das Jahr 2006 mich noch mehr herausfordern mit dem Umzug und der Erweiterung der Abteilung.

Seit September 2004 läuft nun schon das Projekt der Mobilen Klinik, und das mit Erfolg. Dreimal in der Woche fährt unser Bus mit einem medizinischen Team (7-8 Personen) in die abgelegenen Dörfer der Umgebung, um der armen Landbevölkerung medizinische Grundversorgung anzubieten. Der Klink Bus ist u.a. ausgestattet mit 2 Liegen, Diagnostikgeräten wie Ultraschall, EKG, Laborgeräten für Bestimmung von Hämoglobin, Blutzucker, Urinwerten; und einer kleinen mobilen Apotheke (mit ca.150 verschiedenen Medikamente). Sr. Tabitha Son OSB, Sr. Dr. Irene Ita OSB und ich leiten dieses Projekt. Alle anfallenden Kosten werden von unserer Gemeinschaft getragen. Jede Diagnostik und die Ausgabe der Medikamenten ist kostenlos für die Landbevölkerung.         

Im September 2005 reiste eine Gruppe von Ärzten (drei davon Krankenhausvizedirektoren) und Krankenschwestern (der Pflegedienstleitung) auf Einladung vom Missionsärztlichen Institut in Würzburg nach Deutschland. Die Gruppe (insgesamt 8 Personen) sollte dort Einblick ins Krankenhausmanagement bekommen. Ganz überraschend für mich, wurde ich als Leiterin der Gruppe bestimmt. In diesen 16 folgenden Tagen war ich wirklich ‚Mädchen’ für alles: Reiseleiterin, Übersetzerin, Fahrerin, Koordinatorin. Keiner der Teilnehmer besuchte jemals das Ausland und auch die Englischkenntnisse waren bei vielen fast Null, eine Mitarbeiterin half mir bei der Übersetzung. So war die Zeit ein kleines Abenteuer, nicht nur für die Chinesen, sondern auch für mich. Schließlich brachte mir der Trip auch einen Ausflug nach Salzburg, zum Trachtenumzug und Oktoberfest nach München,  und einen zweitägigen Aufenthalt in Paris. Dank Internet und einen Langenscheidt Französischführer (habe keine Französischkenntnisse) wurde auch dieser Frankreichtrip ein Erfolg und Erlebnis für alle Teilnehmer. Es war für mich auch das erste Mal in Paris und ich habe diese Gelegenheit dankbar angenommen.

Seit Oktober hat nun der Winter uns voll im Griff. Seit Anfang Dezember zeigt das Thermometer fast täglich Werte zwischen –20 bis –27 Grad in der Nacht. Tagsüber hat es um die –16 Grad. Es ist eiskalt draußen. Trotzdem fährt unser Bus weiterhin in die Dörfer mit zwei Heizstrahler, die es erträglich machen.

Seit Dezember hat nun auch unsere katholische Pfarrei in Meihekou einen eigenen Pfarrer. So konnten wir zum ersten Mal die Weihnachtsfesttage in Meihekou mitfeiern. Die Pfarrei hat ein kleines Haus, das als Andachtsraum benützt wird. Leider ist der Ort sehr abgelegen, es ist eine ärmliche Slumgegend. Nach Regen- oder Schneefällen ist der Weg dorthin nur schlecht begehbar. Auch gibt es nur Platz für ca. 60 Personen. Es gibt aber immer mehr Gläubige, so reicht das Haus bei weitem nicht aus. Es wird nun überlegt, ein anderes Gebäude zu erwerben, das als kleine Kirche benutzt werden kann. Wir hoffen sehr, dass sich die kleine katholische Gemeinde weiter entwickelt und wächst.    

Bald nun beginnt das chinesische Neujahr; dieses mal feiern wir es am 29. Januar. Dann steht wieder mal das öffentliche Leben für ca. 2 Wochen in China still. Schon jetzt gibt es Hamsterkäufe, denn 6 Tage lang sind die meisten Geschäfte geschlossen. Manche öffentliche Ämter in den Dörfern arbeiten sogar für 4 Wochen nicht. In dieser Zeit übernehme ich meistens die Feiertagsdienste meiner Mitarbeiter. Für die Chinesen sind diese freien Tage wertvoll, die Familie wird besucht und es wird ausgiebig gegessen und gefeiert.

So, das war ein kleiner Rückschau auf das vergangene Jahr mit einigen Ereignissen. Vieles könnte noch berichtet werden, doch die Zeit reicht nicht dafür. Natürlich gibt es auch Schattenseiten, doch davon berichten die Zeitungen und die Internetnachrichten genug. Lassen wir das beiseite und vertrauen wir auf die Führung Gottes.

Mir ist es wichtig, dass in all unserem Tun und in meiner Arbeit ein wenig GOTT vorkommt. Unsere Missionstätigkeit hier in China ist mehr ein Zeugnisgeben, ein Mitgehen mit den Menschen. Das öffentliche Verkünden des Wortes ist uns bis heute nicht erlaubt.

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